Dienstag, 13. Juni 2017

Glücksgefühle

Hallo,

wie ihr hier vielleicht schon gelesen habt, male und zeichne ich ganz gerne. Irgendwann im vorletzten Jahr war ich dann mal auf einer Ausstellung von regionalen Künstlern und da hatte ich mir gedacht 'Wäre das nicht auch mal was für dich?'
Naja, von der Idee bis zur Umsetzung hat es ein wenig gedauert und ich musste auch erst meine vielen Selbstzweifel überwinden. Denn, ich war mal wieder der Meinung, das was ich mache ist nicht gut genug! Wie komme ich nur immer wieder auf diese bescheuerten Idee? Warum sollte meine Kunst nicht gut genug sein? Leider kann ich das noch immer nicht sagen, wo diese bohrenden Selbstzweifel herkommen aber sie sind ganz schön hartnäckig!

Trotzdem habe ich dieses Jahr einfach mal den Schritt gewagt und bin aus meiner kleinen, geschützten Welt meines Schreibtisches herausgekrochen und habe mal gaaaaanz vorsichtig über den Tellerrand hinausgeschaut.

Schon bei der ersten Vorbesprechung bin ich sehr herzlich empfangen worden 'Ah, Sie sind der neue! Schön dass sie da sind, wir freuen uns.' Da dacht ich mir sofort wieder 'Ihr wisst ja noch nicht, was ich da zeigen will.' Danach gab's noch einen Vor-Ort Termin, wo die Ausstellung stattfinden sollte. Es gab auch da keine Streitigkeiten (den Platz will aber ich haben!), alles lief recht harmonisch ab.

Den Pressetermin konnte ich leider nicht wahrnehmen, an dem Tag war ich auf Seminar. Aber ich fand das nicht so schlimm, denn ich wurde im Artikel trotzdem erwähnt. Ab da wurde es ernst, jetzt gab es kein Zurück mehr ohne Gesichtsverlust! Bis eine Woche vor der Ausstellung war ich aber immer noch einigermaßen ruhig.

Aber dann ging das los! Ich wurde nervös, weil ich verpasst hatte, einen Flyer und Visitenkarten zu drucken. Also habe ich die kurzerhand 'schnell' erstellt und selbst ausgedruckt. Dann noch Gedanken machen, was ich überhaupt zeichnen will, Halter für meine Skizzenbücher gebastelt, und, und, und. Am Ende war ich fast drei Tage mit der Vorbereitung beschäftigt und war mir noch viel unsicherer als zuvor, ob ich nicht etwas falsch gemacht oder vergessen hatte.

Dann kam der Tag des Aufbaus. Ich war so nervös, dass ich kaum einen vernünftigen Handgriff zustande bekommen habe. Einige Künstler hatten schon vor mir aufgebaut und das sah alles so professionell aus. Also ran ans Werk und loslegen. Nach etwa einer Stunde hatte ich das wichtigste aufgebaut, war aber nicht damit zufrieden. Also wieder umbauen, und nochmal umbauen. Irgendwann habe ich mir gesagt 'lass es doch einfach so!'


Dann kamen die ersten Künstler zu mir und wollten sehen, was ich so zeige.

'Toll', 'Das ist echt gut', 'Schön, dass du bei uns bist', ...

Hoppla, bin ich gelobt worden? Ja, schon irgendwie. Sogar ganz direkt! Und plötzlich war da ein Gefühl, das ich schon einige Zeit nicht mehr so intensiv gespürt hatte: Es war Glück!

Ein weinig später hat dann die Depression eingegriffen und mir versucht zu sagen, dass die ja keine Ahnung haben und außerdem dir nur schmeicheln wollen. Bestimmt sagt mir keiner die Wahrheit direkt ins Gesicht.

Selbstzweifel sind etwas schreckliches! Aber an diesem Punkt konnte ich sie besiegen. Ich zeichne ja unter Anderem auch Porträts. Dabei habe ich gelernt, den Leuten ins Gesicht zu schauen und die Stimmungen und Gefühle zu lesen. Die haben mir gesagt, dass alle diese Leute mir ganz ehrlich ihre Meinung gesagt haben und mich keiner dabei 'schonen' wollte oder ins Gesicht gelogen hat!

Die Ausstellung selbst ist auch super gelaufen und ich habe wirklich fast nur positive Stimmen bekommen. Ein bisschen Kritik war mit dabei, aber die war durchweg konstruktiv. Damit kann ich gut leben, bin sogar dankbar dafür!

Was soll ich noch sagen? Ich war zwei Tage im Glücksrausch und es fällt mir erst einmal schwer, wieder die 'normalen' Gefühle meines Arbeitsalltags zu spüren. Aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall!

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht meine letzte Ausstellung war.

Liebe Grüße,

euer Axel

Montag, 1. Mai 2017

Mein Leben mit der Depression (Teil 3)

Hallo ihr da drausen!


Vielen Dank, für den vielen positiven Zuspruch, denn ich auch auf meinen letzen Blogeintrag wieder bekommen habe. Es zeigt mir, dass ich weiter machen muss, für euch und nicht zuletzt auch für mich selbst.

Allerdings fällt mir der dritte Teil doch viel schwerer, als ich das erwartet hatte. Das liegt zum eine daran, dass mir das, was da passiert ist, wirklich sehr weh getan hat. Zum Anderen liegt es daran, dass es nicht nur mich betroffen hat, sondern meine ganze Familie. Ich schreibe hier ja nur für mich, von mir und möchte andere Personen raushalten. Vielleicht wollen die das ja gar nicht, dass ich über sie schreibe. Es wird also ein bischen vage, was ich da von mir gebe aber ihr werdet das verstehen, da bin ich mir sicher.

In der Folge zwei meiner Geschichte habe ich ja geschrieben, wie ich meine erste Depression überwunden und die Medikamente los geworden bin. Das hat auch einige Zeit gehalten. Aber dann ist etwas schreckliches passiert. Wenn ich heute daran denke, bekomme ich immer noch ein komisches Gefühl und wie das alles so schief gehen konnte, ist mir nicht wirklich vollständig klar.

Ich kann hier nur soviel schreiben, dass meine Familei regelrecht 'explodiert' ist. Und wie das bei einer Explosion so ist, fliegen alle Teile in unterschiedliche Richtungen weg! Das war schrecklich. Jeder war plötzlich mehr oder weniger auf sich alleine gestellt. Näher will ich das gar nicht beschreiben. Die Gründe dafür habt ihr ja oben schon gelesen.

Meine Welt ist in Dunkelheit und Tränen versunken. Ich war am nächten Tag bei meinem Arzt und der hat mich erst einmal wieder 4 Wochen krank geschrieben. Er war übrigens auch geschockt, als ich ihm erzählt hatte, was passiert ist.

... Nachdenken...
... Wechsel in den Funktionsmodus...
... tun, was zu tun ist...
... nur nicht Nachdenken!

Einige Nachbarn haben mir Hilfe angeboten, aber ich wusste gar nicht, was ich ihnen sagen sollte. Mir war im Sinne das Worte 'einfach nicht zu helfen'. Da war keine Idee, was mir all die Leute gutes tun könnten. Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben. Aber statt dessen musste ich 'funktionieren'. Das kennen viele, die an Depression erkrankt sind, wie ich inzwischen erfahren habe.

In dieser Zeit habe ich etwas gelernt. Je mehr ich untätig herumsitze, desto schlechter geht es mir. Ich bin ein Macher, ich muss etwas tun, egal für wen, egal was! Hauptsache machen! Also habe ich mir eine Psychotherapiestelle organisiert. Das war zwar mit viel telefonieren verbunden, aber nach wenigen Tagen hatte ich zwei Zusagen für die probatorischen Sitzungen. Die Termine waren auch einigermaßen zeitnah. Medikamente wollte ich keine mehr nehmen, auch nicht 'unterstützend' zur Therapie.
Was ich noch gefunden habe, war eine Selbsthilfegruppe in der Nähe. In dieser Zeit hat mich auch jemand wieder zum Malen animiert. Darüber hatte ich ja auch schon geschrieben.

Nach vier Wochen und ganz viel Zeit mit allen Familienmitgliedern (leider oft jeweils nur einzeln) konnte ich anfangen, wieder nachzudenken. Das war ganz schön schwierig. Da hat mich die Situation nochmal mir voller Wucht getroffen. Aber es hat sich auch gezeigt, dass es eine Aussicht gibt, dass die Familie nicht komplett zerbricht.

In der Zwischenzeit habe ich mit meinem Chef über Wiedereingliederung gesprochen, eine Infusionstherapie gegen meinen Tinnitus gemacht, die leider Erfolglos war, viele Spaziergänge alleine oder zu zweit unternommen, viel gemalt, ganz viel geredet und die ersten Therapiestunden absolviert.

Die Aussichten waren also gar nicht so schlecht, deshalb habe ich auch mit der Wiedereingliederung nach 7 Wochen Auszeit begonnen. Nach der 6 Sitzung bei der Psychotherapeutin habe ich mal vorsichtig gefragt, wie das denn mit einer Therapie aussieht und ERST DANN hat sie mir etwas gesagt, was ich bis heute nicht vergessen habe:

'Sie brauchen keine Therapie, sie brauchen Lebenshilfe!'

Und Tschüß! Keine Therapie, 6 Sitzungen für die Katz'. Und da war auch das schwarze Loch wieder, in das sich mein Verstand so gerne zurückzieht, wenn er etwas nicht wahr haben will! Was mir an dieser Stelle wirklich geholfen hat war zum einen die Selbsthilfegruppe. Dort wurde ich wirklich sehr gut aufgenommen und konnte über meine Probleme reden. Und mir wurde Verständnis entgegengebracht. Ich durfte erfahren, dass die Probleme in unserer Familie gar nicht so ungewöhnlich waren und auch andere damit kämpfen.

Was mir noch geholfen hat, war meine Familie. Wie jetzt? Die war doch explodiert! Ja, aber wir haben die Verbindungen nie wirklich abreißen lassen, auch wenn das manchmal wirklich schwierig war, und haben immer wieder geredet und uns getroffen. Nach 5 Wochen war die Familie fast wieder vereint. Eine weitere Therapie habe ich auch nicht versucht zu bekommen. Mir ging es nach und nach wieder besser und die Arbeit hat mich auch wieder abgelenkt. Das würde ich im Nachhinein als einen großen Fehler sehen, den ich gemacht hatte. Ich habe wieder nicht genug für mich gesorgt und gedacht

'Ach komm, geht wieder!'

Was mich lange nicht wirklich los gelassen hat, waren die Hilfsangebote, die ich nicht genutzt habe, ja nicht nutzen konnte. Es hat eine Weile gedauert, bis ich begriffen habe, was ich gebraucht hätte: es waren Gespräche und Zuwendung. Heute ist mir das klar.

Ich möchte noch sagen, dass ich diese Erfahrung meinen schlimmsten Feinden nicht wünsche. Heute weiß ich aber, das einige meiner Freunde und Bekannten ähnliche Probleme haben in ihrer Familie. Nach außen hin spielen aber alle 'heile Welt'. Es ist so schade, dass in unserer Gesellschfaft nicht sein kann was nicht sein darf. Die Familie ist ein schützenswertes Gut und hat zu funktionieren! Tut sie aber oft nicht...

Danke fürs Lesen!

Bis bald, euer Axel

Freitag, 14. April 2017

Mein Leben mit der Depression (Teil 2)


Hallo,

wer es noch nicht gelesen hat, fängt am Besten bei Teil 1 an.

Was nun kam, war eine Behandlung der seltsamen Art. Die Psychologin erklärte mir, das ich an meiner Depression ja gar nicht selbst schuld bin und es handle sich dabei um ein chemisches Problem in meinem Gehirn. Ich wurde ausführlich über Neurotransmitter und deren Wirkungsweise aufgeklärt und habe zumindest ein paar Begriffe behalten, die ich im Nachgang googeln konnte. 

Die Idee, dass ich da ja gar nichts für kann, war am Anfang verlockend. Das bedeutete nämlich auch, dass ich auch nichts GEGEN die Depression tun muss. Das erledigen alles die Medikamente. Sie fragte mich auch nicht, ob ich weiterhin krank geschrieben bleiben wollte. Ich ging also einfach wieder auf die Arbeit. Die hat mich auch die ersten Tage wieder ein bisschen abgelenkt.

Dann kam der Tag, an dem ich anfing, über die Depression und die Medikamente und die Neurotransmitter nachzudenken. Wenn das in meinem Gehirn nur chemische Vorgänge sind, was macht dan eigentlich mich als Persönlchkeit aus? Ein bisschen Chemie? Damit liese sich meine Persönlichkeit mit ein paar chemischen Formeln ausdrücken. Und wo bleibt der freie Wille? Moleküle haben keinen Willen. Sie folgen Gesetzmäßigkeiten! Also eine Sackgasse im Denken. Aber es hat mich weiter beschäftigt.

Was ich mir in der Zwischenzeit nicht angeschaut habe, waren die Beipackzettel meinen Medikaments. Ich hatte Citalopram, einen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, bekommen und beschloss, das erst zu tun, wenn irgendwelche seltsamen Dinge passieren, die ich als Nebenwirkungen einstufen würde. Da ist aber erst einmal nichts passiert.

Eines schönen Frühlingsmorgens ist dann etwas passiert, an das ich mich noch sehr genau erinnern kann. Am Vortag gab es einen Streit in der Familie. Ich habe auf der Fahrt zur Arbeit über diesen Streit nachgedacht und dann kamen sie mit voller Wucht...

... die Gedanken an Selbstmord!

ich war erst erschrocken, wurde immer ängstlicher und am Ende hatte ich eine Panikattacke! Dazu kam noch Herzrasen und ich glaubte, ich muss gar nichts mehr tun, um Suizid zu begehen. Das geht jetzt eh von selbst zu Ende. Was für ein Gefühl.

Mir fiel ein, dass meine Psychologin mir gesagt hatte, wenn irgendetwas ist, soll ich anrufen. Das tat ich dann auch und 15 Minuten später saß ich bei ihr in der Praxis. Erst haben sich die Sprechstundenhilfen um mich gekümmert und später die Psychologin. Die Erklärung, dass viele Patienten im Frühjahr (es war April) Suizidgedanken bekommen, half mir gar nicht weiter, aber das wollte sie gar nicht wissen. Sie beschloß, mir noch ein weiteres Medikament zu verabreichen.

Ich bekam Mirtazapin verschrieben...

War es die Kombination der beiden Präparate oder eines der beiden? Ich weiß es nicht. Jedenfalls mutierte ich zum Zombie: Aufstehen, Arbeiten, Essen, Schlafen. Sonst gab es nichts mehr. Das schlimme daran war aber, dass mir das nicht aufgefallen ist. Für mich ging das Leben einfach weiter. Das die Zeit ziemlich schwierig war, hat mir meine Frau erst viel später erzählt. Dazu kamen noch Libidostörungen und ein Tinnitus. Beides hat nicht unbedingt zur Verbesserung meiner Depression beigetragen. Erst, nachdem ich die Medikamente ca 9 Monate eingenommen hatte, bin ich langsam wieder aus meinem Zustand aufgewacht und habe meiner Psychologin 'Das Messer auf die Brust gesetzt'. Entweder sie hilft mir, die Medikamente abzusetzen, oder ich tue das auf eigene Verantwortung. Sie konnte nicht mehr anders. In der Zwischenzeit hatten sich dann auch die Leberwerte dramatisch verschlechtert und ich habe 15 Kilo zugenommen.

Durch das ausschleichen habe ich endlich verstanden, in welcher Lage ich mich befinde und versucht, wieder einen Weg zurück ins Leben zu finden. DASS war, nach meinem Empfinden, der schwierigste Teil überhaupt. Die Medikamente haben die Realität von mir fern gehalten. Damit musste ich jetzt Zug um Zug wieder selbst fertig werden. Das mich das nicht gleich wieder zurück in die Depression geworfen hat, habe ich vor Allem meiner Frau und einer Bekannten zu verdanken, die ebenfalls an Depressionen erkrankt ist.

Aus meiner heutigen Sicht kann ich nur sagen, dass ich völlig falsch behandelt wurde und eine Medikamentengabe OHNE Psychotherapie völliger Unfug ist. Auch die Aussage, dass ich zu meiner Depression selbst nichts kann, ist nicht richtig. Ich habe in der Zwischeneit gelernt, welches Verhalten mich in diese Lage gebracht hat und auf was ich in Zukunft aufpassen muss. Ach ja, den Tinnutus von damals habe ich übrigens noch immer und manchmal ist er mir sogar nützlich. 

Das war es erst einmal für heute. Ich kann euch aber verraten, das die Geschichte damit noch lange nicht am Ende ist. Hoffentlich seid ihr schon neugierig auf die Fortsetzung.

Wenn ihr wollt, könnt ich mir ja gerne hier folgen und Komentare hinterlassen. Ich würde mich sehr darüber freuen.

Ihr findet mich auch auf Twitter als Glueck2014

Bis Dann,

Eure Axel



Donnerstag, 6. April 2017

Mein Leben mit der Depression (Teil 1)

Wie Alles angefangen hat

Schon lange bevor ich das geschrieben habe, dachte ich “Mensch, schreib doch mal auf, wie alles angefangen hat”. In den Monaten meiner eigenen Depression habe ich so viel von anderen Depressionspatienten und von Spezialisten gelesen, wie man eine Depression heilt, lindert oder auch ignoriert. Aber wie das anfängt, erzählt irgendwie kaum jemand.

Und ich kann euch auch sagen, wieso das so ist. Eine Depression hat nämlich gar keinen Anfang. Wenn mir jemand sagen würde, “Ja, meine Depri hat vor genau 2 Wochen angefangen. Da ist das und das passiert und seitdem bin ich Depressiv.”, dann könnte ich locker antworten, versuche erstmal zu verstehen, was wirklich mit dir passiert und denke mal nach, was vorher schon da war und dazu geführt hat, dass dieses Ereignis für dich den Auslöser darstellt.
Lange Zeit habe ich den Beginn meiner Depression an zwei Ereignissen festgemacht. Diese Zwei Ereignisse haben in den beiden wichtigsten Bereichen in meinem Leben stattgefunden. Der erste Lebensbereich ist meine Arbeit. Immerhin verbringe ich dort 40 Stunden in der Woche und damit fast soviel Zeit, wie im Bett. Meine Arbeit ist mir wichtig. Ich hole mir dort Bestätigung,  kann dort kreativ sein und bin ein gefragter Gesprächspartner und Problemlöser. Eines Tages war es tatsächlich soweit, dass ich nach 3 erfolglosen Versuchen zum Teamleiter aufsteigen konnte. Ich habe die Chance beim Schopf gepackt und war 3 Monate Teamleiter, bis mir mein eigentlicher Chef, von dem ich noch nicht einmal wusste, mir gesagt hat, das ist alles Blödsinn und ich bin ein ganz normales Teammitglied!  Bämm!

Das war nicht so leicht zu verarbeiten weil ich verstanden habe,  dass ich massiv ausgenutzt wurde. Aber anstatt mich aufzuregen, habe ich schön weiter funktioniert, habe sogar die Arbeit des Teamleiters weiter gemacht.
Zu dieser Zeit haben meine Kopfschmerzen angefangen. Immer früh auf dem Weg zur Arbeit ging das los und hat nicht wieder aufgehört. Aber das war nicht so schlimm und damit kann man ja weiter arbeiten.

Kurze Zeit später musste meine Frau an der Bandscheiben operiert werden. Für sie war das ein Schock und ich habe versucht, ihr dabei zur Seite zu stehen, so gut es eben ging. Helfen tue ich immer gerne. Meine Kopfschmerzen habe ich dabei ignoriert, weil ich ja nicht ausfallen durfte. Jemand muss sich ja um die Kinder kümmern, solange meine Frau im Krankenhaus liegt und danach ja auch noch, denn sie darf ja nichts heben, wenn sie wieder nach Hause kommt. Mein Chef will außerdem auch seinen Teil von mir. Warum sollte die Arbeit darunter leiden, wenn man eine Familienkrise zu bewältigen hat?
‘Also immer schön funktionieren’ habe ich mich selbst angetrieben.
Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich überhaupt keine Motivation mehr hatte, früh aus dem Bett aufzustehen. War ja auch klar, weil ich einen Job machte, der nicht mein eigener war. Auch alle anderen, alltäglichen Sachen waren so schwierig zu schaffen und brauchten immer mehr Kraft und eine gigantische Willensanstrengung, um erledigt zu werden. Den hohen Kraftaufwand bezahlte ich damit, dass ich jeden Tag 10 Stunden schlief.
Der Tag bestand also aus Aufstehen, sich um die Kinder kümmern, auf die Arbeit gehen, Essen und wieder schlafen. Keine Zeit für Hobbys, Freizeit oder lauter so unnütze Sachen.

Und natürlich waren die Kopfschmerzen immer noch da. Mein Großvater hatte einen Hirntumor,  deshalb ging ich zum Arzt. Es folgte Untersuchung auf Untersuchung und ich konnte einfacher die Ärzte nennen, bei denen ich noch nicht war, weil die Liste immer länger wurde. Organisch war ich gesund, das stand irgendwann fest.

Bilde ich mir das nur ein? 
Bin ich ein Hypochonder? 
Oder werde ich jetzt verrückt?

Ein Neurologe war es, der nach fast einen Jahr die Diagnose stellte, das ich an Depression leiden könnte. Eine Psychologin bestätigte die Diagnose 2 Wochen später mit dem Satz “Na, das hätten sie doch auch selbst merken Können, das ist doch wirklich eindeutig!”

Eigentlich hätte ich an der Stelle aufstehen und gehen sollen, denn was dann kam war nicht viel besser, als die Depression.

Euer Axel

Mittwoch, 15. März 2017

Nachtrag zu 'Sich den Misserfolg einfach mal gönnen'


Ja, ich bin gescheitert!

Und, Ja, ich bin vielleicht ein wenig verrückt. Aber das bin ich eben. Und ich will mich auch nicht mehr für andere verbiegen. Als die Prüfung um war, war ich erst einmal enttäuscht, weil ich 730 von 800 nötigen Punkten hatte. Das ist jetzt nicht so weit weg. Vielleicht war ich auch eher ärgerlich aber nach einer halben Stunde war ich erleichtert!.

Was mich danach aber doch wieder genervt hat, war die Tatsache, dass sich mein Arbeitgeber nicht klar positioniert hat. Ich habe es inzwischen aufgegeben, von Führungskräften klare Positionen oder Anweisungen zu erwarten. Die bekommt man heute nicht mehr. Alles ist in 'vielleicht' und 'eigentlich' eingepackt und am Ende trägt man doch wieder selbst die Verantwortung.

So will ich aber jetzt auch weiter machen. Ich übernehme die Verantwortung für mich selbst und frage gar nicht mehr lange. Wenn mein Chef um die Ecke kommt und sagt 'Das überschreitet deine Kompetenz' dann frag ich erstmal frech, was meine Kompetenzen überhaupt sind!

Bis Bald,

Euer Axel

Freitag, 20. Januar 2017

Sich den Misserfolg einfach mal gönnen



Wie jetzt? Misserfolg? Ein Wort, das in unserer Gesellschaft nicht wirklich gut ankommt. 'Ich habe Erfolg' heißt die Devise und es gibt so viele selbsternannte 'Erfolgsgurus' die uns alle einreden wollen, dass wir doch alles schaffen könnten, wenn wir nur fest daran glauben.

Und was mache ich daraus? Ich pfeif' drauf und erwarte für den Februar bei einer Prüfung, dass ich sie nicht schaffe! Natürlich bereite ich mich auf die Prüfung vor und ich würde mich auch tierisch freuen, wenn ich die schaffe. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das klappt ist eben recht gering. Das hat damit zu tun, dass bei dieser Prüfung Wissen abgeprüft wird, das man sich normal nur aneignet, wenn man das Thema 6 Monate ununterbrochen studiert oder die letzten zwei Jahre damit praktisch gearbytet hat. Beide trifft auf mich nicht zu und deshalb bereite ich mich auf mein Scheitern vor.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da glaubte ich wirklich, ich könnte alles schaffen. Ich habe bis zu meinem 30. Lebensjahr keine wichtige Prüfung versemmelt, alles immer auf Anhieb erledigt, abgehackt. Bis dann irgendwann... ja, ich eine Prüfung verpatzt habe. Das war ein Schock für mich, eine Welt ist zusammengebrochen! Ich, eine Prüfung nicht geschafft? Das hat es ja noch nie gegeben. Ich habe mich vor mir selbst geschämt.

Ja, es hat ein wenig gedauert, bis ich mich davon wieder erholt hatte. Ich habe die Prüfung erst ein Jahr später widerholt und, natürlich, bestanden. Erst in den letzten Jahren ist mir klar geworden, welche wetvolle Erfahrung ich machen durfte. Ich durfte scheitern! Heute stehe ich wieder kurz vor dieser Prüfung und sage mir 'Ich gönne mir ein Scheitern!'

Da die Prüfung für meinen Arbeitgeber wichtig ist, kann es sogar passieren, das sich mein Arbeitsumfeld verändern wird, obwohl ich davon nicht ausgehe. Nein, davor habe ich gar keine Angst. Ganz im Gegenteil! Ich würde mich freuen, wenn mein Arbeitgeber reagiert und mich in einem anderen Umfeld einsetzt, insgeheim wünsche ich mir das sogar.

Bis es Ende Februar aber soweit ist, muss ich doch noch viel lernen und mir graut jetzt schon vor der Stoffmenge, die ich durcharbeiten muss.  Meine Konzentration ist noch immer nicht so, wie es vor der Depression war. Trotzdem gebe ich mein Bestes.

Bis bald,

Euer Axel

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Es geht nicht immer nur aufwärts

Mit meinen Gefühlen bin ich ja nicht so wirklich in Kontakt, darüber habe ich ja schon geschrieben und werde wahrscheinlich auch noch viel darüber schreiben. Es ist wahrscheinlich eines meiner Hauptprobleme, wie ich zur Zeit sehe.
Seit Anfang dieser Woche merke ich, das irgend etwas nicht in Ordnung ist. Mir drängt sich immer wieder der Begriff 'Unzufriedenheit' auf. Aber mit was bin ich denn unzufrieden?  Das Gefühl wird von Tag zu Tag stärker. Ist es der Weihnachtsblues, der mich erwischt hat? Ich bin kein großer Freund von Weihnachten und dem Komerz, dar damit zusammenhängt. Ist es die Arbeit?
Am Montag war ich eingeladen auf eine Treffen mit Kollegen, die alle innerhalb der Firma an ähnlichen Themen arbeiten. Es ist spät geworden und wir haben auch ein bisschen was getrunken. Am nächsten Tag hatte ich dann auch noch Magenschmerzen, die erst weggingen, als ich ein trockenes Brötchen gegessen habe. Die Unzufriedenheit blieb aber, abwohl der Austausch mit den Kollegen wirklich gut war.
Gestern dann hatten wir Weihnachtsfeier mit ca. 20 Personen von unserem Betrieb aus. Die Kollegen wollten unbedingt erst ein 'Exit-Game' spielen. Darauf hatte ich schon mal gar keine Lust gehabt und bin einfach zum Essen nachgekommen. Da ich als letzter gekommen bin, hatte ich einen Platz, dar am Ende des Tisches war. In der Wirtschaft war es brüllend Laut und ich habe so gut wie nichts verstanden von dem was gesagt wurde.
Un dann war da plötzlich dises Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Niemand redet mit mir. Ich bin alleine....



ACHTUNG! FALLE!
habe ich so bei mir gedacht. Das führt genau zu den Denkmustern, die ich ja lernen will, zu vermeiden weil sie auf dem direkten Weg nach unten führen. Ich bin trotzdem früh gegangen, fast direkt nach dem Essen, habe mich aber soweit erklärt, dass es mir einfach zu laut sei. Die beiden Kollegen, die mich verstehen konnten, haben mir recht gegeben. Aber bei mir liegt die Schmezschwelle für Lautstärke anscheinend niedriger als bei anderen. Ich halte mir auch auf der Strasse die Ohren zu, wenn ein Fahrzeug mit Martinshorn vorbeifährt. Es tut mir einfach weh in den Ohren. Auf dem Weg zum Parkplatz hat mich ein Kollege begleitet, mit dem ich eigentlich nie etwas zu tun habe. Wir haben uns die zehn Minuten wirklich gut unterhalten und das sollte mir doch deutlich zeigen, dass ich nicht ausgeschlossen bin.
Heute früh ist trotzdem wieder dieses Gefühl von Einsamkeit und Unzufriedenheit. Das geht schon den ganzen Tag so und ich habe inzwischen auch nicht mehr die nötige Konzentration, um meinen Job richtig zu machen. So sitze ich meine Zeit ab, mache Dinge, für die ich nicht wirklich viel Grips brauche.
Jedenfalls muss ich die nächsten Tage wirklich auf mich aufpassen und versuchen, diese negativen Denkmuster zu unterbrechen. Ich merke jetzt schon, dass die Gedanken ab und zu im Kreis laufen und ich wieder in die negative Denkspirale abbiege. Ich kann das doch, mich selbst motivieren, positiv denken und den ganzen Kram. Also nicht den Kopf hängen lassen und weiter geht's.
Ja, das klingt so einfach und kostet doch so viel Kraft. Kraft, die mir dann für die Arbeit und für die Familie fehlt. Nächste Woche habe ich zwar Urlaub, aber durch die Feiertag und noch meine Geburtstag ist wieder einiges los. Vielleicht gelingt es mir trotzdem, ein wenig zu entspannen.
Ich wünsche euch schöne Feiertage,
Euer Axel

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